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Die Wolkenbrüche nehmen zu: Sind die Keller noch zu retten?

Ein Gespräch mit Dipl.-Ing. Hans-Peter Sproten, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik des Landes NRW

 

Es gießt in Strömen, die Kanäle versagen, die Keller laufen voll. Rächen sich hier Fehlplanungen der Kanalbauer?

 

Sproten: 
Gleich zu Beginn ein klares Nein. Abwasserkanäle sind dazu ausgelegt, die Wassermengen eines so genannten mittleren Regenereignisses zu schlucken. Das, was in Düsseldorf niedergegangen ist, bezeichnen wir als einen Jahrhundertregen. Das bedeutet, dass so eine Regenintensität in einem Zeitraum von 100 Jahren bei nur einem einzigen Unwetter vorkommt. Und darauf sind die Kanalsysteme nun mal nicht ausgelegt.

 

  
Und warum sind die Kanäle dafür nicht ausgelegt? In der Technik geht man doch sonst auch immer von der höchsten Sicherheitsstufe aus.

 

Sproten: 
Würde man ein Kanalsystem für einen Jahrhundertregen auslegen, dann wäre es in 100 Jahren einmal passend und dafür 99 Jahre und 364 Tage zu groß…

 

    
Ja, aber zu groß ist doch besser als zu klein, oder?

 

Sproten: Das stimmt bei vielen Dingen, jedoch nicht bei Kanalsystemen. Mit der Größe eines Kanalsystems steigen auch die Erstellungskosten. Von den Betriebs- und Instandhaltungskosten mal ganz zu schweigen. Unter diesem Aspekt nimmt man in Kauf, dass wir mal alle 100 Jahre buchstäblich den Kanal voll haben.

 

    
Sie sprechen immer von einem Jahrhundertregen. Im Juli und August 2008 hatten wir gleich drei Jahrhundertregen hintereinander…

 

Sproten:  
Aber davon war ja nicht immer derselbe Kanal betroffen. Rein statistisch hat also zum Beispiel die Stadt Dortmund, die in 2008 stark betroffen war,   jetzt ein Jahrhundert Zeit, bis es mal wieder mit dieser Intensität regnet.

 

     
Es ist aber auch bekannt, dass Keller schon bei gefährlicheren Regenfällen geflutet wurden. Kann man sich als Hausbesitzer davor überhaupt schützen?

 

Sproten: 
Natürlich kann man das. Hauptvoraussetzung dafür ist aber eine fachgerechte Planung und Ausführung des Entwässerungssystems. Leider ist die Entwässerung für Hausbesitzer ganz einfach nur der anspruchslose ‚Abfluss’, an dem auch das Do-it-yourself ungefährlich erscheint.

 

    
Können Sie bitte die wesentlichen Merkmale einer fachgerechten Abflussplanung auf den Punkt bringen?

 

Sproten: 
Der Profi stellt im Vorfeld fest, wie hoch das Wasser ansteigen kann, wenn sich der Kanal mit Wasser füllt. Meistens stellt diese Höhe die Straßenoberkante zuzüglich eines Zuschlags für ein gewisses Aufstauen von Wasser dar. Man spricht bei dieser Höhe von der Rückstauebene. Da auf dieser Höhe das Wasser austritt uns sich auf dem Gelände verteilt, kann es in den am Kanal angeschlossenen Entwässerungsrohren auch nicht höher ansteigen. Unterhalb dieser Rückstauebene dürfen im Haus keine Abflüsse an das Entwässerungssystem angeschlossen werden.

 

    
Und was macht man, wenn man im Keller, also unterhalb dieser Rückstauebene Abläufe braucht, zum Beispiel für Waschmaschine und Ausguss und so?

 

Sproten: 
Die schließt man dann indirekt an: Das Wasser wird einer Pumpe zugeführt. Die so genannte Druckleitung der Pumpe wird über die Rückstauebene geführt und erst dann an den Kanal angeschlossen. Dank dieser Rohrführung kann Abwasser auch bei Rückstau nicht in Richtung Pumpe und folglich auch nicht in Richtung Keller drücken.

 

Mit anderen Worten: Man investiert einmal in eine Pumpe und in ein paar zusätzliche Meter Rohr und hat dann Ruhe?

 

Sproten: 
Im Prinzip schon. Aber natürlich muss man erwähnen, dass auch das Entwässerungssystem des Hauses regelmäßig gewartet werden muss, um die größtmögliche Sicherheit zu erreichen.

 

Auf was kommt es dabei an?

 

Sproten: 
Nun, um bei unserem Beispiel zu bleiben: Auch eine Pumpe muss regelmäßig gereinigt werden. Und sind Entwässerungsleitungen unter dem Haus verlegt, müssen auch die regelmäßig alle 20 Jahre vom Fachmann untersucht werden. Denn was nützt der schönste Rückstauschutz, wenn das Abwasser im Falle des Falles über eine undichte Leitung quasi von unten in das Haus drückt?

 

     
Da gibt es ja doch einiges, was beachtet werden muss. Was kann ich denn nun als Hausbesitzer machen, um ganz individuell für mein Haus den größtmöglichen Schutz vor Kellerüberflutung zu erreichen?

 

Sproten: 
Das ist ganz einfach: Vereinbaren Sie mit Ihrem Meisterbetrieb für Sanitär- und Heizungstechnik ein Beratungsgespräch in Ihrem Hause. Der Meister sieht sich die Anlage an und kann konkrete Vorschläge für Absicherungsmaßnahmen machen. Ferner kann er gleich sagen was regelmäßig gemacht werden muss, damit Ihre Anlage auch sicher bleibt.

 

     
Herr Sproten, Sie vertreten also die Meinung, dass die Keller noch zu retten sind?

 

Sproten: 
Selbstverständlich. Allerdings nur, wenn sich jeder Hausbesitzer einen Ruck gibt, und den Fachmann möglichst rasch seine Entwässerungsanlage überprüfen lässt. Denn wenn das Wasser bei einem Starkregen schon aus den Abflüssen spritzt, dann ist es zu spät.